ferien.ahoi NORDERNEY Magazin

Die Umsteiger - Sylvia Tommasi und Rainer Bollmann

Geschrieben von Ralf Taprogge • Dienstag, 26. Juli 2011 • Kategorie: Feature
 

 
Wir stöbern in alten Fotos. Auf dem einen Bild sieht man ein von Schnee und Eis verkrustetes Holzhaus in unwirtlicher Winterlandschaft. Eine erkennbar selbst verlegte und nur wenige Meter lange Schienenstrecke führt auf einen alten Lieferwagen zu. Auf den schmalen Gleisen rollt ein ulkiges kleines Fahrzeug, offensichtlich eine Art Kamerawagen. Rechts und links der Strecke eine Gruppe dick vermummter und geschäftig wirkender Leute, auch ein paar Schlittenhunde warten auf ihren Einsatz: Werbefilmaufnahmen für Esso Diesel am nördlichen Polarkreis in Finnland - und mittendrin Rainer Bollmann. Ein anderes Foto zeigt Sylvia Tommasi bei Dreharbeiten für eine internationale TV-Krimiproduktion. Mit dem Schminkkasten in der Hand wird gerade ein Schauspieler kosmetisch auf Leiche getrimmt, während der Galgenstrick für den nahenden Filmtod schon um seinen Hals baumelt. - Szenen aus einem anderen Leben. Dem alten Leben. Denn Sylvia Tommasi und Rainer Bollmann sind umgestiegen und Hoteliers geworden. Ihr neues Leben spielt auf Norderney.


Hotel haus Norderney

Vor einigen Jahren saßen wir schon einmal an diesem Tisch in der Nähe des Kamins und sprachen über das gleiche Thema. Die damaligen Inhaber erzählten uns von ihrem frisch eröffneten Hotel und der aufwändigen Sanierung dieser bildschönen denkmalgeschützten Villa von 1927. Es war der erste Redaktionsbeitrag überhaupt in unserem ferien.ahoi Norderney Magazin. Seitdem besteht eine besondere Verbindung zum Hotel Haus Norderney, das nun seit Anfang Juni 2010 von Sylvia Tommasi und Rainer Bollmann betrieben und weiter entwickelt wird. Die Geschichte dieses Neuanfangs erscheint dabei ebenso außergewöhnlich wie der besondere Stil des Hotels.

Ob sie vor allem auf die Insel gekommen sind, weil sie das Hotel übernehmen wollten oder um endlich zusammen zu leben, bleibt offen. "Ich habe mich in meine Kundin verliebt und sie sich in mich", bringt Rainer Bollmann den Kern der Geschichte auf den Punkt. Der erfahrene Werbeprofi und die Schweizerin Sylvia Tommasi lernen sich bei der Arbeit für den Finanzkonzern Credit Suisse kennen. Als Kreativchef der Agentur McCann Erickson Frankfurt (www.mccann.de) reist Rainer Bollmann regelmäßig zu Präsentationsterminen nach Zürich, wo Sylvia Tommasi als selbstständiger Contractor in der Werbeabteilung arbeitet. Kaum jemand - vor allem nicht auf Seiten der Bank - darf etwas von der Beziehung erfahren. "Das hätte mich sofort den Job gekostet", sagt Sylvia Tommasi heute. Zwei Jahre Pendeln. Zwei Jahre Versteckspiel. "Zürich ist ein Dorf. Wir konnten noch nicht einmal in Ruhe Pizza essen gehen." Diese Zeiten sind jetzt vorbei. Zwei Menschen am Zenit ihres beruflichen Lebens brechen die alten Brücken ab und beginnen noch einmal neu.

Väterlicherseits ein Spross der traditionsreichen italienischen Winzerfamilie Tommasi (www.tommasiwine.it) wächst Sylvia Tommasi im Schweizer Voralpenland auf und lernt Freuden und Mühen der Hotellerie schon von Kindheit an im elterlichen Gasthof kennen. Nach Schule und Ausbildung arbeitet sie zunächst als Maskenbildnerin bei Film- und Fernsehproduktionen. Später entdeckt sie ihr Talent für die Innenarchitektur, spezialisiert sich auf die stilvolle Einrichtung von Hotels in verschiedenen Ländern Europas. "Ich habe mein ganzes Leben immer selbstständig gearbeitet, und so ein Haus mit seinen vielfältigen Aufgaben kommt meinem Naturell aber auch meinen Talenten sehr entgegen", sagt Sylvia Tommasi. Der Wunsch, einmal ein eigenes Hotel zu führen, spukt schon lange in ihrem Kopf herum. Ganz anders bei Rainer Bollmann. Der 58-Jährige hat in mehr als 30 Jahren in der Werbebranche so ziemlich alles erreicht, was man in seinem Bereich schaffen kann und dabei jede Menge Kampagnen entwickelt für große Marken von Coca-Cola bis Levi's. Doch die Folgen der Wirtschaftskrise gehen auch an der Kreativbranche nicht spurlos vorbei. Kostendruck und die Einschränkung kreativer Freiräume bestimmen zunehmend die Arbeit. "Es hat zuletzt einfach nicht mehr so viel Spaß gemacht wie früher", sagt Rainer Bollmann. Als Sylvia Tommasi ihren Traum vom eigenen Hotel Wirklichkeit werden lassen möchte, entscheidet auch er sich für den Umstieg.

Hotelhaus Norderney

Dass das Paar letztendlich auf Norderney gelandet ist, bezeichnet Rainer Bollmann als Glücksfall. Denn vor allem Sylvia Tommasi zieht es anfangs Richtung Mittelmeerraum - vorzugsweise Sardinien oder Elba. "Ich war schon dabei, Italienisch zu lernen", so Bollmann. Eher zufällig werden die beiden auf die Villa in der Norderneyer Janusstraße aufmerksam und sind sofort begeistert. "Es war Liebe auf den ersten Blick." Auch die Rahmenbedingungen stimmen, vom guten Verhältnis zu den Vorbesitzern über die touristischen Kennzahlen bis zur massiven Entwicklung in den vergangenen Jahren - der neue Stil der Insel überzeugt. Mit der Entscheidung für Norderney kehrt der gebürtige Bremer Rainer Bollmann zu seinen Wurzeln zurück. "Dieses geradeaus Norddeutsche, das Karge in der Sprache, immer auf den Punkt - das mag ich schon sehr." Das Paar wird von jetzt an auf der Insel leben und hofft, dass die begonnene Entwicklung weitergeht. "Das hat uns am meisten überzeugt, dass hier auf breiter Front so viel passiert. Wir möchten uns gerne - über das Hotel hinaus - einbringen in diesen Prozess."

Schon nach den ersten Monaten sind im Hotel Haus Norderney einige kleinere Veränderungen spürbar. Neben dem Kamin hängt ein großformatiges Bild des isländischen Malers Oli G. Johnnsson und im ausgewogen aufgefrischten Garten spendet ein Eichenbaum Schatten. Ein wenig stolz erzählt Sylvia Tommasi von den neu angebotenen Pflegeserien von Korres (www.korres.com). Die Trendkosmetik aus Griechenland ist ansonsten in nur ganz wenigen Häusern in Deutschland erhältlich. Seit der Saison 2011 gibt es über das Frühstück hinaus für die Hotelgäste eine kleine Abendkarte mit leckeren Suppen wie der "Berner Märitsuppe", speziellen Broten und verschiedenen Brotaufstrichen. Dazu vielleicht ein Glas original italienischen Tommasi Wein. Nicht zuletzt haben Rainer Bollmann und Sylvia Tommasi auch das Logo des Hotels verändert. Das neue Signet besitzt - wie sollte es bei einem ehemaligen Werber auch anders sein - hohen Wiedererkennungswert und verkörpert grandios Stil, Eleganz und Modernität des Hauses. "Vieles hier hat von Anfang an unseren Vorstellungen entsprochen, so haben wir die Chance, immer noch eins drauf zu setzen und das Hotel behutsam weiter zu entwickeln."

Hotel Haus Norderney • Janusstraße 6 • (0 49 32) 22 88 • hotel-haus-norderney.de 

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