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Gary Teriete - Ministry of Silly Walks

Geschrieben von Ralf Taprogge • Freitag, 14. Januar 2011 • Kategorie: Feature
 

 
Zugegeben - der Titel war seine Idee. Aber kaum eine andere Bezeichnung beschreibt diesen ungewöhnlichen Lebensweg wohl treffender als 'Ministry of Silly Walks'. Wer sich im Internet bei YouTube den gleichnamigen Sketch der legendären Monty Python Truppe um John Cleese & Co. anschaut, kann sich vorstellen, was wir meinen. Gary Teriete besitzt nicht nur den sprichwörtlichen Humor seiner britischen Heimat, sondern hat über die Jahre auch furchtlos und heiter allerlei Kurven und Haken geschlagen bei seinem Trip quer durch die Welt. Auch wenn er auf Norderney mit seiner Frau und zwei kleinen Kindern als glücklicher Familienvater mittlerweile ziemlich sesshaft geworden ist, bleibt er doch mental massiv in Bewegung - nicht zuletzt mit Projekten wie seinem innovativen Schuhladen Pomp. Wenn man auf der Insel nach Menschen sucht, die mit internationaler Erfahrung über den Tellerrand schauen, stößt man auf Leute wie Gary Teriete.


Gary Teriete - Norderney

In Suffolk, England, aufgewachsen verbringt Gary Teriete seine Teenagerzeit im noch jungen Spanien der Nach-Franco-Ära, wo sein Vater als Experte für Solartechnik arbeitet. "Dieser 'influence of Barcelona' war sehr stark für mich, dieser 'lifestyle' war sehr international." Mit 17 kehrt er allein nach England zurück und lebt eine Weile in London. Gary Teriete verkauft zunächst 'high end fashion shoes' im örtlichen Store der Schweizer Traditionsmarke Bally und wird danach Kellner und Chefkellner in einigen der angesagtesten Lokale der Stadt. Eine Zeit lang arbeitet er auch für den Bürgermeister von London in dessen Amtssitz 'Mansion House' und führt später - als begeisterter Taucher - eine Wassersportabteilung im Lillywhites direkt am Picadilly Circus. Eher zufällig landet er schließlich bei einem Eco-Tourismus Reiseveranstalter - etwa wie heute Exodus Overland (www.exodus.co.uk) - und leitet fortan Abenteuerreisen durch Südamerika. In Ländern wie Peru tobt zu dieser Zeit die Auseinandersetzung mit Guerilla-Organisationen wie Sendero Luminoso ('Leuchtender Pfad'). "Das war zum Teil richtig, richtig gefährlich." Heutzutage sind zwischen Cuzco und Machu Picchu täglich mehrere Tausend Leute unterwegs - davon kann in den späten 1980er Jahren keine Rede sein. "Wir sind vier oder fünf Tage auf dem 'Camino Inca' gelaufen und keinem Menschen begegnet." Der Liebe wegen zieht es Gary Teriete irgendwann zurück nach Europa, diesmal in die Schweiz. Er arbeitet wie bei seinem ersten Job wieder für die Schuhfirma Bally in deren Flagschiff Store in Zürich - und lernt Schwizerdütsch. "Ich habe schnell gemerkt, als ich damals mit 14 nach Barcelona gekommen bin, versuche nicht wie die Einheimischen zu sein. Das klappt nicht. Du musst einfach, so lange man dich versteht, deinen Witz und deine Art beibehalten - dann bist du integriert." Wer Gary Teriete nur ein wenig kennt, kann sich vorstellen, wie sein Mix aus Englisch und Schwizerdütsch klingt. Als er einen Winter lang einmal für Bally in St. Moritz arbeitet, lernt er dort zwei Norderneyerinnen kennen. Zwischen einem Wanderurlaub in Schottland und dem eigentlich schon fest geplanten nächsten 'Silly Walk' nach Tokyo besucht er die beiden auf Norderney, wo er unvermutet hängen bleibt und seit mittlerweile gut 10 Jahren lebt.

"Norderney, das war für mich nicht nur Nordseeluft, das war frische Luft, ein anderer Blick auf die Welt." Um es in der Sprache der Mode zu sagen: Nicht mehr Louis Vuitton wie in Zürich, stattdessen Mambo und Chiemsee. Surf Style & Beach Life und die geerdete Haltung der Leute. "Ich habe sofort gesehen: Diese Insel ist kein Ego-Trip - und das finde ich gut." Gary Teriete wird Teil einer Clique jüngerer Norderneyer, die allesamt in den 1980er Jahren sozialisiert worden sind und deren Generation bei genauerem Hinsehen eine Menge von dem prägt, was in den vergangenen Jahren auf der Insel passiert ist. Im Jahr 2007 bündelt der weit gereiste Engländer seine ganze Erfahrung in einem neuen Konzept und eröffnet in der Poststraße Pomp. Auf unsere Frage, wie man zukünftig noch mehr internationale Besucher nach Norderney ziehen kann, erzählt Gary Teriete von Touristenorten in seiner britischen Heimat. "Das 'local heritage' spielt dort eine viel größere Rolle. Warum gibt es hier zum Beispiel keinen einzigen richtigen 'tea room'?" Um die ostfriesische Tradition müssen sich vorläufig andere kümmern. Gary Teriete arbeitet an spannenden eigenen Projekten, die kurz vor der Umsetzung stehen. Gut möglich, dass wir schon bald von neuen 'Silly Walks' des sympathischen Briten berichten können.

Pomp • Poststraße 1 • (0 49 32) 93 51 59 • pomp-schuhe.com 

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